Depression und körperliche Aktivität

Was sind Depressionen?

Depression ist weltweit eine der Hauptursachen für Einschränkungen im Lebensalltag (1). Sie wird definiert als ein Zustand, welcher von Traurigkeit, Schuldgefühlen, geringem Selbstwertgefühl sowie dem Verlust von Interesse und Freude gekennzeichnet ist. Symptome sind Schlafstörungen, Appetitverlust oder –steigerung und Müdigkeit (2). Die WHO schätzt, dass 4,3% der europäischen Bevölkerung an Depressionen leiden (1). Im Erwachsenenalter werden 9% der Männer und 17% der Frauen in Europa mindestens einmal im Leben an Depressionen leiden (1). In Luxemburg leiden 21,6% der Bevölkerung an Depressionen und 6% haben mäßige bis schwere Symptome (3). Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten umfassen Antidepressiva und Psychotherapie, aber andere Optionen wie körperliche Aktivität werden empfohlen (4).

Welche Auswirkungen hat körperliche Aktivität auf Depressionen?

Obwohl die zugrunde liegenden Mechanismen unklar bleiben (5), verhindert körperliche Aktivität das Auftreten oder Rückfall von Depressionen. Es kann als eigenständige Behandlung oder als Ergänzung zu anderen Antidepressiva-Behandlungen (Medikamente oder Psychotherapie) verwendet werden (2,6). Weil gezeigt wurde, dass körperliche Aktivität die Symptome einer Depression reduziert (5), wird sie als eigenständige Behandlung für leichte bis mittelschwere Depressionen sowie als Ergänzung zur üblichen Behandlung von schweren Depressionen empfohlen (2). Eine Dosis-Wirkungs-Beziehung und eine Verringerung der Symptome wird mit höherer Frequenz, Intensität oder erhöhtem Trainingsvolumen beobachtet (5). Moderate bis hochintensive körperliche Aktivität hat einen signifikanten Einfluss auf Depressionssymptome (2). Aber auch Aktivitäten mit geringerer Intensität bieten Vorteile (5). Es gibt Hinweise darauf, dass Bewegung auch bei der Prävention von Depressionen wirksam ist; eine Stunde Training pro Woche reduziert die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Depression um 16% (4,5,7). Darüber hinaus reduziert die körperliche Aktivität 12 Monate nach der Erholung von einer Depression die Rückfallrate im Vergleich zu einer ausschließlich medikamentösen Behandlung (4).

Was sind die Risiken?

Die Ausübung von körperlicher Aktivität geht Hand in Hand mit dem Risiko für körperliche Störungen (2). Übermäßiges und zwanghaftes Training bei untergewichtigen Patienten mit einer Essstörung ist mit einem erhöhten Risiko für medizinische Komplikationen, einem größeren Ausmaß von Essstörungen, einer längeren Behandlung und einem schnelleren Rückfall verbunden (8). Daher wird in diesen Populationen ein Training ohne ärztliche Überwachung nicht empfohlen.



Empfehlungen

Bereits 20 Minuten körperlicher Aktivität pro Tag verringern die Symptome einer Depression, jedoch können längere Dauer und höhere Intensitäten größere Vorteile bieten (5). Moderate bis starke körperliche Aktivität wird empfohlen, um den vorbeugenden Nutzen der körperlichen Aktivität gegen depressive Symptome zu maximieren (9). Die Empfehlungen bezüglich der Dauer der körperlichen Aktivität bleiben die gleichen wie die Empfehlungen für die allgemeine Bevölkerung, d. h. 150 Minuten Training bei moderater Intensität oder 75 Minuten aerobes Training mit hoher Intensität pro Woche (2). Die Empfehlungen umfassen ebenfalls zwei Einheiten mit Kraftübungen und eine Einheit mit Gleichgewichtsübungen pro Woche. Zur Behandlung von Depressionen sollte das Programm mindestens 9 Wochen (2) und vorzugsweise 12 Wochen (5) dauern. Strukturierte Übungen, welche unter Aufsicht durchgeführt werden, können bessere Ergebnisse liefern (4,10). Es ist wichtig, realistische Ziele zu setzen und eine Verlaufskontrolle mit einem Trainer sicherzustellen (4,10). Darüber hinaus können größere Verbesserungen beobachtet werden, wenn Teilnehmer an Gruppenübungen teilnehmen und wenn die Aktivität als angenehm empfunden wird (4,11).

Referenzen

  1. WHO Regional Office for Europe. Preventing depression in the WHO European Region [Internet]. World Health Organization; 2016 [cité 1 mars 2018]. Disponible sur: http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0003/325947/New-Preventing-depression.pdf.
  2. Professional Associations for Physical Activity (Suède), Swedish National Insitute of Public Health. Physical activity in the prevention and treatment of disease [Internet]. Stockholm: Professional Associations for Physical Activity; 2010. Disponible sur: : https://www.folkhalsomyndigheten.se/contentassets/5de033c2c75a494a99cbba2407594c22/physical-activity-prevention-treatment-disease-webb.pdf.
  3. Ruiz-Castell M, Kandala N-B, Perquin M, Bocquet V, Kuemmerle A, Vögele C, et al. Depression burden in luxembourg: Individual risk factors, geographic variations and the role of migration, 2013–2015 European Health Examination Survey. J Affect Disord [Internet]. nov 2017 [cité 22 févr 2018];222:41‑8. Disponible sur: http://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S016503271730842X.
  4. Schuch FB, Stubbs B. Physical Activity, Physical Fitness, and Depression. In: Oxford research encyclopedias [Internet]. 2017 [cité 20 mars 2018]. (Oxford Research Encyclopedia of Psychology). Disponible sur: http://psychology.oxfordre.com/.
  5. 2018 Physical Activity Guidelines Advisory Committee. 2018 Physical Activity Guidelines Advisory Committee Scientific Report. Washington, DC: U.S. Department of Health and Human Services; 2018. Disponible sur: https://health.gov/paguidelines/second-edition/report.aspx.
  6. Kvam S, Kleppe CL, Nordhus IH, Hovland A. Exercise as a treatment for depression: A meta-analysis. J Affect Disord. 15 sept 2016;202:67‑86. Disponible sur: https://doi.org/10.1016/j.jad.2016.03.063.
  7. Schuch FB, Vancampfort D, Firth J, Rosenbaum S, Ward PB, Silva ES, et al. Physical Activity and Incident Depression: A Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies. Am J Psychiatry [Internet]. 25 avr 2018 [cité 17 mai 2018];appi.ajp.2018.1. Disponible sur: http://ajp.psychiatryonline.org/doi/10.1176/appi.ajp.2018.17111194.
  8. El Ghoch M, Soave F, Calugi S, Dalle Grave R. Eating Disorders, Physical Fitness and Sport Performance: A Systematic Review. Nutrients [Internet]. 16 déc 2013 [cité 22 mai 2018];5(12):5140‑60. Disponible sur: http://www.mdpi.com/2072-6643/5/12/5140.
  9. Balchin R, Linde J, Blackhurst D, Rauch HL, Schönbächler G. Sweating away depression? The impact of intensive exercise on depression. J Affect Disord. août 2016;200:218‑21. Disponible sur: https://doi.org/10.1016/j.jad.2016.04.030.
  10. Catalan-Matamoros D, Gomez-Conesa A, Stubbs B, Vancampfort D. Exercise improves depressive symptoms in older adults: An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Psychiatry Res. 30 oct 2016;244:202‑9. Disponible sur: https://doi.org/10.1016/j.psychres.2016.07.028.
  11. Schuch FB, Morres ID, Ekkekakis P, Rosenbaum S, Stubbs B. Exercise works for depression: bridging the implementation gap and making exercise a core component of treatment. Acta Neuropsychiatr [Internet]. avr 2017 [cité 22 mars 2018];29(02):124‑6. Disponible sur: https://www.cambridge.org/core/product/identifier/S0924270817000011/type/journal_article.

Autoren & Experte

Autoren: Julia Ledien1, Alexis Lion2, 3, Simon Rosenbaum4, 5.
Experte: Claus Vögele6.

1 Luxembourg Institute of Health, Epidemiology and Public Health Research Unit, L-1445 Strassen, Luxembourg
2 Luxembourg Institute of Health, Sports Medicine Research Laboratory, L-1460 Luxembourg, Luxembourg
3 Fédération Luxembourgeoise des Associations de Sport de Santé
4 School of Psychiatry, University of New South Wales, Sydney, New South Wales, Australia
5 Black Dog Institute, Sydney, Australia
6 Institute for Health and Behaviour, Research Unit INSIDE, University of Luxembourg, Esch-sur-Alzette, Luxembourg
 

Veröffentlichungsjahr

2018
 

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