Prostatakrebs und körperliche Aktivität

Was ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs ist mit einem Anteil von 1,5 % aller Todesfälle eine wichtige Ursache für den Tod im Großherzogtum Luxemburg. Bei Männern ist es die dritthöchste Ursache (10,5 %) für Todesfälle durch Krebs [1]. Dieser Krebs, der ausschliesslich bei Männern auftritt, ist ein bösartiger Tumor, welcher in den Zellen der Prostata beginnt (d.h. der Drüse unterhalb der männlichen Blase, welche die Flüssigkeit für Samen produziert), langsam wächst und zunächst auf die Prostatadrüse beschränkt bleibt. Er kann sich aber in andere Bereiche des Körpers verstreuen (Bildung von Metastasen). Die Symptome können Probleme beim Wasserlassen, Schmerzen im unteren Rücken und Schmerzen bei der Ejakulation beinhalten. Bewegungsmangel kann ein Risikofaktor für Prostatakrebs sein, während Rauchen und Übergewicht im engen Zusammenhang mit Krebssterblichkeit stehen [2, 3].

Was sind die Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf Prostatakrebs?

Körperliche Aktivität ist mit einem verringerten Risiko von Prostatakrebs, dessen Progression und Mortalität verbunden [3-5]. Körperliche Aktivität kann die Nebenwirkungen der Behandlung (z.B. Bestrahlung oder Hormontherapie) durch den Erhalt oder die Steigerung der Muskelkraft, Knochendichte, kardiorespiratorischen Fitness und sexuellen Funktion, sowie durch die Minderung des Körpergewichtes, der Müdigkeit und der psychischen Belastung, kompensieren [6, 7]. Nach der Behandlung verbessern betreute Übungen die Muskelkraft, kardiorespiratorische Fitness, körperliche Funktionsfähigkeit des Unterkörpers und geistige Gesundheit [8]. Körperliche Aktivität kann das Risiko der Progression des Krebses über verschiedene Mechanismen, wie die Verringerung des Insulinspiegels und Entzündungen, die bekanntermaßen an der Proliferation von Krebszellen beteiligt sind, verringern [4].

Was sind die Risiken?

Es gibt nur begrenzte Indikationen gegen die Ausübung von körperlicher Aktivität. Bei Hautreizungen in Verbindung mit der Strahlentherapie sollte das Schwimmen vermieden werden. Körperliche Aktivitäten sollten beaufsichtigt werden, um Nebenwirkungen wie z.B. Frakturen, insbesondere bei Patienten mit einer Hormontherapie, bei Diagnose von Osteoporose oder Knochenmetastasen, zu vermeiden [9]. Darüber hinaus ist die Abnahme der körperlichen Fitness der Patienten, die oft nach einem Therapiezyklus auftritt, eine potentielle Barriere, die durch eine Verringerung der Dauer der Aktivität ausgeglichen werden sollte.

Empfehlungen

Körperliche Aktivität wird dringend nach der Diagnose von Prostatakrebs empfohlen. Nach der Diagnose sehen Empfehlungen mindestens 150 Minuten mässige oder 75 Minuten intensive körperliche Aktivität pro Woche vor [9]. Aerobe Aktivitäten sollten der Ausdauer der Patienten angepasst werden und können Wandern, Radfahren, Schwimmen, Tennis und Joggen beinhalten [5]. Kraft- und Beweglichkeitstraining sollten auf alle großen Muskelgruppen abzielen. Krafttraining sollte 3 Sätze von 6 bis 8 verschiedenen Übungen (8-12 Wiederholungen bei 60-80 % der Maximalkraft für jede Übung) und mindestens 2 Sitzungen pro Woche beinhalten [10]. Zusätzlich werden Beckenbodenübungen für diejenigen empfohlen, bei denen die Prostata gänzlich entfernt wurde. High-Impact-Übungen (bis zu 10 Sätze von 10 Sprüngen mit und ohne Zusatzgewicht) werden für Patienten, bei denen es keine Kontraindikation gibt, empfohlen [7].

Referenzen

  1. World Health Organisation. Disease and injury country estimates - Burden of disease. 2011 [cited 2014 09/09/2014]; Available from: http://www.who.int/healthinfo/global_burden_disease/estimates_country/en/.
  2. Medlineplus. Prostate cancer. 2014 [cited 2014 02/10/2014]; Available from: http://www.nlm.nih.gov/medlineplus/prostatecancer.html.
  3. Leitzmann MF, Rohrmann S. Risk factors for the onset of prostatic cancer: age, location, and behavioral correlates. Clin Epidemiol 2012;4:1-11. Available at: http://dx.doi.org/10.2147/CLEP.S16747.
  4. Richman EL, Kenfield SA, Stampfer MJ, Paciorek A, Carroll PR, Chan JM. Physical activity after diagnosis and risk of prostate cancer progression: data from the cancer of the prostate strategic urologic research endeavor. Cancer Res 2011;71(11):3889-95. Available at: http://dx.doi.org/10.1158/0008-5472.CAN-10-3932.
  5. Kenfield SA, Stampfer MJ, Giovannucci E, Chan JM. Physical activity and survival after prostate cancer diagnosis in the health professionals follow-up study. J Clin Oncol 2011;29(6):726-32. Available at: http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2010.31.5226.
  6. Gardner JR, Livingston PM, Fraser SF. Effects of exercise on treatment-related adverse effects for patients with prostate cancer receiving androgen-deprivation therapy: a systematic review. J Clin Oncol 2014;32(4):335-46. Available at: http://dx.doi.org/10.1200/JCO.2013.49.5523.
  7. Winters-Stone KM, Dobek JC, Bennett JA, Maddalozzo GF, Ryan CW, Beer TM. Skeletal response to resistance and impact training in prostate cancer survivors. Med Sci Sports Exerc 2014;46(8):1482-8. Available at: http://dx.doi.org/10.1249/MSS.0000000000000265.
  8. Galvao DA, Spry N, Denham J, et al. A multicentre year-long randomised controlled trial of exercise training targeting physical functioning in men with prostate cancer previously treated with androgen suppression and radiation from TROG 03.04 RADAR. Eur Urol 2014;65(5):856-64. Available at: http://dx.doi.org/10.1016/j.eururo.2013.09.041.
  9. Schmitz KH, Courneya KS, Matthews C, et al. American College of Sports Medicine roundtable on exercise guidelines for cancer survivors. Med Sci Sports Exerc 2010;42(7):1409-26. Available at: http://dx.doi.org/10.1249/MSS.0b013e3181e0c112.
  10. Focht BC, Clinton SK, Devor ST, et al. Resistance exercise interventions during and following cancer treatment: a systematic review. J Support Oncol 2013;11(2):45-60.

Autoren und Experten

Autoren: Alexis Lion1, Jane S. Thornton2.
Experte: Caroline Duhem3.

1 Luxembourg Institute of Health, Sports Medicine Research Laboratory, L-1460 Luxembourg, Luxembourg
2 Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Policlinique Médicale Universitaire, CH-1011 Lausanne, Switzerland
3 Centre Hospitalier de Luxembourg, Hématologie - Cancérologie, L-1210 Luxembourg, Luxembourg
 

Veröffentlichungsjahr

2015
 

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